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Warum tritt Autismus vermehrt bei Kindern auf, die nicht fiebern können?

FieberIn meinen Erstanamnesen ist mir immer wieder aufgefallen, dass mir Eltern von Kindern mit Neurodivergenz, Autismus und ADHS oft berichten, dass ihre Kinder nicht fiebern können. Ich stelle diese Frage nämlich seit 20 Jahren in jeder meiner Erstanamnesen. So konnte ich über die Jahre Vergleiche ziehen und interessante Zusammenhänge erkennen.

Kinder mit Neurodivergenz haben oft ein fragileres Nervensystem als andere Kinder. Dies kann verschiedene Gründe haben. Meiner Erfahrung nach spielen dabei eine große Rolle: Traumata, Vergiftungen (u. a. auch Impfschäden), Stoffwechselstörungen (wie zum Beispiel die HPU), Allergien, Dysbiosen im Darm und daraus folgend Mineralien- und Nährstoffdefizite.

So kann zum Beispiel eine Mangelversorgung mit B-Vitaminen zu einer unzureichenden Ausreifung des Nervensystems führen. Da unsere Natur ja schlau ist, versetzt sie also eben diese Kinder in eine verstärkte Alarmbereitschaft, auch genannt: den Sympathikotonus. In diesem Tonus wird vermehrt Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die Hirnstammebene wird aktiviert und dadurch auch die reflexhaften Reaktionen (Überlebensreflexe).

Warum kann im Sympathikotonus kein Fieber entstehen?

SteinzeitmenschFieber entsteht interessanterweise nicht, wenn wir uns im Sympathikotonus befinden (Kampf- oder Fluchtmodus). Das scheint die Natur so eingerichtet zu haben, damit wir im Zweifelsfall erst unser Leben vor dem Säbelzahntiger in Sicherheit bringen können, um dann, in der sicheren Höhle angekommen, in den parasympathikotonen Zustand überzugehen, in welchem der Körper durch das Fieber erhitzt, aber auch in gewissem Maße immobilisiert wird, um eine Infektion effektiv zu bekämpfen. Wir ruhen uns aus und lassen das Fieber die Erkrankung bekämpfen.

Allerdings zeigen neuere Erkenntnisse, dass es auch zu einer Mischaktivierung des autonomen Nervensystems kommen kann: Während akuter Infektionsphasen kann es kurzfristig zu einer gleichzeitigen Aktivierung von Sympathikus und Parasympathikus kommen. Doch bei chronisch gestressten Kindern bleibt der Sympathikotonus oft dominant, wodurch Fieberreaktionen ausbleiben oder unterdrückt werden.

Faktoren, die das Nervensystem in dauerhaften Stress versetzen

1. Persistierende frühkindliche Reflexe
Reflexe wie der Moro-Reflex oder der Spinale Galant-Reflex sind für die frühkindliche Entwicklung gedacht. Bleiben sie jedoch aktiv, versetzen sie den Körper in ständige Alarmbereitschaft. Dies hält den Sympathikus dauerhaft aktiv, wodurch Entspannungs- und Regenerationsprozesse wie Fieber erschwert werden. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine anhaltende Reflexaktivität die vagale Regulation beeinträchtigen kann, was wiederum die Fähigkeit des Körpers zur Immunantwort beeinflusst.

2. Chronische Entzündungen & Darmdysbiose
Ein gestörter Darm (z. B. durch eine Dysbiose oder „Leaky Gut“) aktiviert das Immunsystem dauerhaft. Dadurch werden ständig entzündungsfördernde Stoffe ausgeschüttet, die das Nervensystem in einen Stressmodus versetzen. Eine gestörte Darmflora kann zudem die Produktion von Neurotransmittern beeinflussen, die für die Regulation des autonomen Nervensystems wichtig sind.

3. Allergien & Unverträglichkeiten
Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. gegen Gluten oder Milchprodukte) führen zu unterschwelligen Entzündungen, die den Körper in einem latenten Abwehrzustand halten. Studien zeigen, dass allergische Reaktionen über Mastzellen und Zytokine auch das Nervensystem beeinflussen und zur chronischen Sympathikus-Aktivierung beitragen können.

Die Rolle der „Hitze“ in der chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielt das Konzept der pathogenen Hitze eine zentrale Rolle. Diese kann sich im Körper ansammeln – sei es durch fieberhafte Erkrankungen, Impfungen oder durch einen gestörten Stoffwechsel.

Eine besondere Form dieser Hitze ist das Syndrom „Hitze blockiert die Sprache“ (Stummheit durch Hitze). In der Praxis zeigt sich dies oft bei autistischen Kindern, die kaum sprechen oder deren Sprache stockend ist. Diese Hitze stört den harmonischen Fluss von Qi und blockiert den Zugang zur Sprache. Oft ist sie mit Verdauungsproblemen, Wutausbrüchen oder innerer Unruhe verbunden.
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In westlicher Terminologie könnte man dies als entzündliche Prozesse in der Darm-Hirn-Achse interpretieren, die neuronale Funktionen beeinträchtigen.

Die Bezeichnung Darm-Hirn-Achse beschreibt die Zusammenhänge zwischen Entzündungen im Darm und Neuroinflammation und wie Stoffwechselprodukte aus dem Darm auf das Nervensystem wirken können


Wie kann man das Nervensystem aus dem Stressmodus befreien?

Um den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, braucht es eine gezielte Regulation des Nervensystems und eine Ausleitung der eingeschlossenen Hitze.

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Durch gezielte Übungen kann man persistierende frühkindliche Reflexe integrieren und das Nervensystem beruhigen. Dies fördert die Aktivierung des Parasympathikus und verbessert die Fähigkeit des Körpers, sich selbst zu regulieren. Studien belegen, dass Reflexintegrationstherapien die vagale Aktivität steigern und dadurch die Immunantwort verbessern können.

2. Akupunktur & Ausleitung
In der TCM kann eingeschlossene Hitze durch gezielte Akupunktur ausgeleitet werden. Um herauszufinden, in welchen Organen und Meridianen der „pathogene Restfaktor Hitze“ eingeschlossen ist, nutzen erfahrene Akupunkteure die Pulsdiagnostik. So lässt sich erkennen, welche Punkte zur Ausleitung erforderlich sind.

Du Mai 14 und 15Im Verlauf eines jeden Meridians gibt es sogenannte Feuer-Punkte, die der Ausleitung der Hitze dienen können. Empfehlenswert ist zum Beispiel bei Magen-Hitze Ma 44 und Ma 41, bei Leber-Hitze Le 2, bei Hitze im Dünndarm Dü 5 und bei Hitze im Dickdarm Di 5. Du Mai 14 und Du Mai 15 auf dem Lenkergefäß dienen gezielt zur Ausleitung der Hitze bei Stummheit.

In westlicher Terminologie könnte man davon sprechen, dass diese Punkte die Neuroinflammation regulieren..

Nach einer erfolgreichen Behandlung kann es zu einer normalen Ausleitungsreaktion kommen: kurzfristiges Fieber für 1-2 Tage, ein kleines Ekzem oder Hautausschlag (Hitzepöckchen), stinkende Stühle oder emotionale Entladungen wie Wutausbrüche.

3. Ernährung & Darmtherapie
Begleitend kann eine individuell abgestimmte Auslassdiät helfen, um entzündliche Prozesse zu reduzieren. Zudem kann eine Probiotika-Therapie das Darmmikrobiom stabilisieren, was sich positiv auf das Nervensystem und das Immunsystem auswirkt. Viele Eltern berichten, dass sich nach einer Kombination aus Reflexintegration, Akupunktur und Darmtherapie die Sprache ihrer Kinder verbessert.

4. Umgang mit Fieber - eine bewusste Entscheidung
Fieber ist ein natürlicher Mechanismus des Körpers, um Infektionen zu bekämpfen. In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, das Fieber zunächst zu beobachten und unterstützende Maßnahmen wie Wadenwickel anzuwenden. Bei anhaltendem hohem Fieber (über 39 °C) oder wenn das Kind stark leidet, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Spätestens bei Temperaturen über 40 °C, die länger als 24 Stunden anhalten, ist eine enge Absprache mit einem Arzt wichtig, um mögliche Risiken wie Fieberkrämpfe oder eine Überhitzung zu vermeiden.

Fazit
Kinder mit Autismus oder Neurodivergenz haben oft ein empfindliches Nervensystem, das durch verschiedene Faktoren in einen chronischen Stresszustand versetzt wird. Dies kann die natürliche Fähigkeit des Körpers, Fieber als Heilreaktion einzusetzen, hemmen. Durch gezielte Maßnahmen wie Reflexintegration, Akupunktur und eine angepasste Darmtherapie kann das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wiederhergestellt werden – mit oft erstaunlichen positiven Effekten auf das Immunsystem und die Sprachentwicklung.

Hinweis: Auf dieser Internetseite teile ich meine Erfahrungen aus 20 Jahren praktischer Arbeit in meiner Praxis. Dabei greife ich sowohl auf wissenschaftlich belegte Erkenntnisse als auch auf empirische Beobachtungen zurück, die noch nicht umfassend erforscht sind. Ich sehe es als meine Aufgabe, zur wissenschaftlichen Diskussion beizutragen und hoffe, dass diese Aspekte in zukünftige Studien einfließen. Ich stehe für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in diesem Bereich gerne zur Verfügung.

 

In meiner Fachweiterbildung "Ganzheitliche Kindertherapie" vermittele ich diese und andere Zusammenhänge.

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